Rheinische Post

Harmonie von Bach und Avantgarde-Musik

 

Zu Recht erscholl begeisterter Applaus, nachdem am Freitagabend ein

ungewöhnliches Konzert in der Lutherkirche geendet hatte. Nicht nur dies,

viele Menschen gingen bewegt auf die Musiker zu und bedankten sich

persönlich. Dabei bot das Programm Neue Musik - keine Popmusik. Und das

Programm trug auch noch den klischeehaften Titel „Der Himmel hängt voller

Geigen." Der Untertitel traf das Konzertgeschehen genauer: „Glaube daran,

dass es keine Grenzen außer dem Himmel gibt." Wer hätte gedacht, dass sich

avantgardistische Musik in einem einzigen Konzert mit der des Übermusikers

Johann Sebastian Bach zu einem harmonischen, wohltuenden Ganzen mischt?

Und niemand wartete wirklich darauf, dass endlich wieder Bach gespielt wurde,

weil die Neue Musik sprachlos war.

 

Die Kompositionen von Dorothée Hahne im Schwerpunkt, ergänzt durch je

eine von Thorsten Töpp und Lenka Zupková, boten verschiedenste

elektronische Klänge, verfremdete Glocken, Schaben und Kratzen. Die

einzelnen Sätze von Bachs Violinsonate in a-moll wechselten sich stimmig mit

den fremden Geräuschen ab, als seien die Klangwelten längst miteinander

vertraut. Die Kompositionen Hahnes beeindruckten vor allem dadurch, dass sie

trotz komplexer Strukturen unmittelbar die Hörer berührten. Durch

Lautsprechertechnik ermöglicht, wanderten Töne im Kirchenraum umher und

ließen auch diesen aufleben. Neben den tiefsinnigen Kompositionen hatte

Lenka Zupková mit ihrem anmutigen, beseelten Spiel auf Violine oder

E-Violine großen Anteil am Erfolg des Konzertes. Und Thorsten Töpp, Leiter

des „Forum Neue Musik" aus Duisburg, verdient große Anerkennung für das so

gelungen zusammengestellte Programm. Ein durchaus geistliches Konzert mit

Neuer Musik, das gut getan hat.

 

VON MARTIN DEMMER / Rheinische Post 21.11.2005 KRE